Call for Papers: ZFHE 21/4
Veröffentlicht am 2026-05-09Call for papers, ZFHE 21/4:
Kooperative Doktoratsprogramme als innovative und hybride Qualifizierungsräume: Governance, Karrierewege und Betreuung an Schnittstellen und in Spannungsfeldern
Hrsg. P. Reinbacher, B. Böckem & A. Pausits
AUSGANGSLAGE
Kooperative Doktoratsprogramme – also Promotionsmodelle, in denen Hochschulen mit anderen Hochschulen, außeruniversitären Forschungseinrichtungen, Unternehmen oder öffentlichen Organisationen zusammenarbeiten – sind aus mehreren Gründen ein aktuelles und relevantes Thema für die Hochschulforschung (UniWiND, 2019; Borrell-Damian, 2009). Sie stehen exemplarisch für die Veränderungen im wissenschaftlichen Qualifizierungssystem, in dem klassische Universitätspromotionen längst nicht mehr die einzige Option zur Entwicklung des wissenschaftlichen Nachwuchses darstellen (EUA, 2010; European Commission, 2011). Mit der steigenden Bedeutung von Inter- und Transdisziplinarität, von anwendungsorientierter Forschung und dem Bestreben vieler Institutionen, Wissenstransfer systematisch zu organisieren, entstehen neue Formen geteilter Verantwortung und gemeinsamer Betreuung (OECD, 2020; Rogga & Zscheischler, 2021).
Aus Sicht von Hochschulforschung und Hochschulentwicklung bündeln kooperative Doktoratsprogramme zentrale Spannungsfelder gewissermaßen unter einem Brennglas: Qualität und Unabhängigkeit wissenschaftlicher Arbeit, Professionalisierung und Rollenklärung in der (Co-)Betreuung, Governance und Ressourcenmanagement in interinstitutionellen Forschungspartnerschaften – sie alle versprechen breitere Kompetenzprofile und neue Karriereoptionen, machen aber auch Konfliktlinien an Schnittstellen sichtbar, etwa in Auswahlverfahren und in Betreuungskonstellationen, in Macht- und Statusasymmetrien oder in der sensiblen Balance von Wissenschafts- und Anwendungslogiken bzw. von Theorie und Praxis (Wissenschaftsrat, 2023; Krempkow et al., 2022; Lee & Green, 2009; Borrell-Damian, 2009; UniWiND, 2019).
Aktuell setzen Initiativen in Österreich, in Deutschland, in der Schweiz und auf gesamteuropäischer Ebene wichtige Akzente – man denke beispielsweise an Programme wie doc.funds.connect des FWF und die zwei Ausschreibungsrunden zu Bildungsinnovation braucht Bildungsforschung des BMB und des BMBWF, die projektgebundenen Beiträge des Bundes in den Programmen „P-1 Doktoratsprogramme (2017-2020)» sowie «P-1 Mobilitätsförderung von Doktorierenden und Weiterentwicklung des 3. Zyklus (2021–2024)“ und deren Nachfolger von swissuniversities oder die Marie Skłodowska-Curie Maßnahmen im Rahmen von Horizon Europe 2021-2027 sowie die Doctoral Networks (früher Innovative Training Networks) zur Förderung exzellenter Projekte, an denen das European University Institute beteiligt ist.
Zudem werden durch diese Programme strukturelle Entwicklungen sichtbar: die stärkere Differenzierung des Promotionssystems, die Einbindung neuer Akteurinnen und Akteure in die Nachwuchsförderung und die Tendenz, Promotionen stärker projekt- und drittmittelgebunden zu organisieren (Torka, 2018; UniWiND, 2019). Hier lässt sich beobachten, wie sich institutionelle Kulturen, Betreuungspraktiken und Erwartungen an Promotionsleistungen verändern, und welche Konsequenzen dies sowohl für wissenschaftliche Karrieren als auch für Karrierewege außerhalb des Universitäts- und Wissenschaftssystem hat (Bridle et al., 2023; Geppert et al., 2025).
Damit bieten kooperative Doktoratsprogramme einen anschaulichen Anwendungsfall zum Beispiel für Fragen von Qualität, Gerechtigkeit, Steuerung und Innovation im Hochschulsystem (EUA, 2010; European Commission, 2011) – und sie bilden einen Bereich, in denen sich gegenwärtige, globale Transformationsprozesse auf unterschiedlichen Ebenen besonders verdichtet zeigen.
ZIELSETZUNG DER AUSGABE
Der Call lädt Beiträge ein, die kooperative Doktoratsprogramme auf Makro-, Meso- und Mikroebene empirisch, konzeptionell oder vergleichend analysieren und damit zum Verständnis von Steuerung, Gerechtigkeit und Innovation im Promotionssystem beitragen. Zur Orientierung gliedern wir mögliche Themen entlang strategisch-politischer (Makro), organisatorisch-institutioneller (Meso) und praxisbezogener (Mikro) Dimensionen; ergänzt um Querschnittsthemen wie Qualitätssicherung und Evaluation, Gender und Diversität, Internationalisierung sowie Digitalisierung.
Die folgenden Themenfelder sind nicht abschließend, sondern sollen als erste Orientierung dienen und mögliche Anknüpfungspunkte für weitere, thematisch passende Beiträge aufzeigen:
- Makro-Ebene: Strategische und hochschul- und wissenschaftspolitische Dimension
1.1 Macht- und Statusasymmetrien zwischen Universitäten und FH/HAW/PH z.B. in Bezug auf Rollen, Deutungshoheit, Ressourcen oder das Promotionsrecht.
1.2 Wissenschafts- vs. Anwendungslogiken: Verschiebungen im Verständnis von Forschungsorientierung, Verhältnis von Grundlagen- und angewandter Forschung.
1.3 System- und Profilwirkungen: Folgen für Profilbildung von Hochschultypen/Sektoren, Interdisziplinarität sowie Wissens- und Technologietransfer.
- Meso-Ebene: Governance, Organisation und Rahmenbedingungen
2.1 Governance- & Finanzierungsmodelle: Verantwortlichkeiten, Entscheidungsbefugnisse, Prozesse, Transparenz; Erfolgsfaktoren und typische Fallstricke.
2.2 Rechtliche/strukturelle Voraussetzungen: formale und informale Bedingungen für nachhaltige Verankerung (z.B. Zuständigkeiten, Verträge, Regeln, Ressourcen).
2.3 Institutionelle Regime und Traditionen: Auswirkungen unterschiedlicher Promotionsordnungen, Akkreditierungsanforderungen und organisationaler Routinen/Kulturen.
- Mikro-Ebene: Betreuungs-, Qualifizierungs- und Handlungspraktiken
3.1 Co-Supervision in der Praxis: Modelle, Funktionalität, Spannungen; Rollen und Verantwortung, Unterstützungsbedarfe; Fallstricke und Erfolgsfaktoren.
3.2 Konfliktmanagement: Aufteilung von Verantwortung, Mediation, Verfahren und Praktiken zum Umgang mit Konflikten.
3.3 Doppelte Zugehörigkeit Promovierender: Effekte auf soziale Einbindung, Identität, wissenschaftliche Sozialisation und Karrierewege.
4. Querschnittsthemen
4.1. Internationalisierung (z.B. Kooperationen über Grenzen, Mobilität, Anerkennung, Bildungsexport als Gefahrenpotenzial).
4.2. Digitalisierung (z.B. digitale bzw. hybride Betreuung und Kollaboration, Daten-, Datenbank- und Infrastrukturfragen).
4.3. Gender & Diversität (Chancengerechtigkeit, Care-/Belastungssituationen, Inklusion, Bias in Betreuung/Selektion).
AUSGEWÄHLTE LITERATUR
Borrell-Damian, L. (2009). Collaborative Doctoral Education: University-Industry Partnerships for Enhancing Knowledge Exchange. DOC-CAREERS Project. European University Association (EUA).
Bridle, H., Vrieling, H., Cardillo, M., Araya, Y. & Hinojosa, L. (2013). Preparing for an interdisciplinary future: A perspective from early-career researchers. Futures 53, 22–32, https://doi.org/10.1016/j.futures.2013.09.003
European Commission. (2011). Principles for Innovative Doctoral Training. Directorate-General for Research & Innovation. https://euraxess.ec.europa.eu/sites/default/files/policy_library/principles_for_innovative_doctoral_training.pdf
Geppert, C., Pausits, A., Mitterauer, L. & Hofer, M. (2025). To leave or not to leave? Expectations, factors, and trajectories of academic careers in the light of doctoral programme reforms. Studies in Higher Education 50 (8), 1777–1796, https://doi.org/10.1080/03075079.2024.2401943
Krempkow, R., Harris-Huemmert, S., Langemeyer, I. & Hunke, S. (Hrsg.) (2022). Qualität in der wissenschaftlichen Nachwuchsförderung und die kooperative Promotion. Qualität in der Wissenschaft (QiW) 16 (3+4).
Lee, A. & Green, B. (2009). Supervision as metaphor. Studies in Higher Education 34 (6), 615–630, https://doi.org/10.1080/03075070802597168
Marti, S. & Peneoasu, A.-M. (2026). Policies in doctoral education: Navigating geopolitical change and technological acceleration while advancing Europe’s society and competitiveness. European University Association (EUA) Council for Doctoral Education (EUA-CDE). https://eua.eu/publications/reports/policies-in-doctoral-education-navigating-geopolitical-change-and-technological-acceleration-while-advancing-europes-society-and-competitiveness.html
Rogga, S. & Zscheischler, J. (2021). Opportunities, balancing acts, and challenges – doing PhDs in transdisciplinary research projects. Environmental Science & Policy 120, 138-144, https://doi.org/10.1016/j.envsci.2021.03.009
UniWiND. (2019). Vielfalt durch Kooperation – Empfehlungen des UniWiND-Vorstands zu Promotionsverfahren mit Partnereinrichtungen. https://www.uniwind.org/fileadmin/user_upload/Stellungnahmen_Positionen/2019-UniWiND_Promotionsverfahren_mit_Partnereinrichtungen.pdf
Torka, M. (2018). Projectification of doctoral training? How research fields respond to a new funding regime. Minerva 56 (1), pp. 59–83, http://www.jstor.org/stable/45211326
Wissenschaftsrat. (2023). Ausgestaltung der Promotion im deutschen Wissenschaftssystem. Positionspapier (Drs. 1196-23). https://www.wissenschaftsrat.de/download/2023/1196-23.pdf?__blob=publicationFile&v=14
Hinweise zur Zeitschrift
Die ZFHE ist ein referiertes Online-Journal für wissenschaftliche Beiträge mit praktischer Relevanz zu aktuellen Fragen der Hochschulentwicklung. Der Fokus liegt dabei auf den didaktischen, strukturellen und kulturellen Entwicklungen in Lehre und Studium. Dabei werden in besonderer Weise Themen aufgenommen, die als innovativ und hinsichtlich ihrer Gestaltungsoptionen noch als offen zu bezeichnen sind.
Die ZFHE wird von einem Konsortium von europäischen Wissenschaftler:innen herausgegeben. Weitere Informationen: https://www.zfhe.at.
Informationen zur Einreichung
Beiträge können in drei unterschiedlichen Formaten in deutscher oder englischer Sprache eingereicht werden:
Ein Forschungsbeitrag sollte folgende Kriterien erfüllen:
- behandelt eine systematische Frage in trans-, inter- oder fachdisziplinären Zusammenhängen;
- hat eine Forschungslücke als Ausgangspunkt;
- weist eine umfangreiche Einbettung in den wissenschaftlichen Diskurs auf;
- verfügt über eine robuste methodische Herangehensweise;
- beinhaltet eine Reflexion der eigenen Arbeit;
- stellt das forschungsmethodische Vorgehen dar;
- setzt eine Methode ein, die sich sehr gut eignet, um die Forschungsfrage zu beantworten;
- stellt den wissenschaftlichen Diskurs reflektiert dar;
- bietet einen deutlich erkennbaren Mehrwert bzw. Beitrag zur Beantwortung der Forschungsfrage respektive zur Forschungsdiskussion;
- folgt konsistent einschlägigen Regeln der Zitation (APA 7-Stil, aktuelle Auflage);
- umfasst zwischen 20.000 und 33.000 Zeichen (inkl. Leerzeichen sowie Deckblatt; Literatur- und Autorenangaben).
Ein Forschungsgeleiteter Entwicklungsbeitrag sollte folgende Kriterien erfüllen:
- bietet eine Hochschulentwicklungsperspektive mit fundierter Forschungsbasierung;
- erörtert und differenziert ein systematisches Problem der Lehrentwicklung
- ist ein wissenschaftlich reflektierter „Institutional Research“-Beitrag
- wird durch einen Literaturüberblick unterstützt;
- erkennbare Adressierung der Wissenschafts-Praxis-Kommunikation und/oder der Verbindung zwischen den beiden Polen „Forschung und Entwicklung“;
- folgt konsistent einschlägigen Regeln der Zitation (APA 7-Stil, aktuelle Auflage);
- umfasst zwischen 20.000 und 33.000 Zeichen (inkl. Leerzeichen sowie Deckblatt; Literatur- und Autorenangaben).
In Entwicklungsbeitrag sollte folgende Kriterien erfüllen:
- behandelt ein konkretes Problem der Hochschulentwicklung in der (eigenen)Hochschule;
- Praxisdesiderat;
- ist in die wissenschaftliche Diskussion und Literatur eingebettet (jedoch ohne den Anspruch, einen Überblick über die Literatur zu erhalten);
- bietet Anregungen zur Lehr- und Hochschulentwicklung ggf. mit Handlungsempfehlungen;
- folgt einer systematischen und transparenten Darstellung (z. B. keine unverständlichen Hinweise auf Spezifika und Details in einem Praxisfeld);
- arbeitet generalisierbare Aspekte und Faktoren im Sinne einer Theoriebildung heraus;
- ersichtliche Transferüberlegungen;
- Forschungsdesiderate sind benannt
- folgt konsistent einschlägigen Regeln der Zitation (APA 7-Stil, aktuelle Auflage);
- umfasst zwischen 20.000 und 33.000 Zeichen (inkl. Leerzeichen sowie Deckblatt; Literatur- und Autorenangaben).
Zeitplan
- Juli 2026 – Deadline zur Einreichung des vollständigen Beitrags: Ihre Beiträge laden Sie im ZFHE-Journalsystem (https://www.zfhe.at) unter der entsprechenden Rubrik (Forschungsbeitrag, Forschungsgeleiteter Entwicklungsbeitrag, Entwicklungsbeitrag) der Ausgabe XX in anonymisierter Form hoch; hierzu müssen Sie sich zuvor als „Autor:in“ im System registrieren.
- Mitte September 2026 – Rückmeldung/Reviews: Sämtliche Beiträge werden in einem Double-blind-Verfahren beurteilt (s. u.).
- Mitte Oktober 2026 – Deadline Überarbeitung: Gegebenenfalls können Beiträge entsprechend Kritik und Empfehlungen aus den Reviews bis zu diesem Zeitpunkt von den Autor:innen überarbeitet werden.
- Dezember 2026 – Publikation: Im Dezember 2027 werden die finalisierten Beiträge unter https://www.zfhe.at publiziert und auch als Printpublikation erhältlich sein.
Review-Verfahren
Sämtliche eingereichten Beiträge werden in einem „double-blind“ Peer-Review-Verfahren auf ihre wissenschaftliche Qualität überprüft. Die Herausgeber:innen eines Heftes schlagen die Gutachter:innen für den jeweiligen Themenschwerpunkt vor und weisen die einzelnen Beiträge den Gutachter:innen zu; sie entscheiden auch über die Annahme der Beiträge. Die Auswahl der Gutachter:innen und der Begutachtungsprozess werden bei jedem Themenheft jeweils von einem Mitglied des Editorial Boards begleitet.
Formatierung und Einreichung
Um bei der Formatierung der Beiträge wertvolle Zeit zu sparen, möchten wir alle Autor:innen, von Beginn an bitten, mit der Formatvorlage zu arbeiten, die auf der Homepage der ZFHE heruntergeladen werden kann:
ZFHE Template deutsch
ZFHE Template englisch
Die Texte müssen bearbeitbar sein und z. B. in den Formaten Microsoft Word (.doc), Office Open XML (.docx), Open Document Text (.odt) oder als Plain Text (.txt) vorliegen; bitte keine PDF-Dateien einreichen. Die Beiträge werden zunächst in anonymisierter Fassung benötigt, um das Double-blind-Reviewverfahren zu gewährleisten. Bitte entfernen Sie hierzu sämtliche Hinweise auf die Autor:innen aus dem Dokument (auch in den Dokumenteigenschaften!). Nach positivem Reviewergebnis werden diese Angaben wieder eingefügt.
Noch Fragen?
Bei inhaltlichen Fragen wenden Sie sich bitte an:
Paul Reinbacher (paul.reinbacher@ph-ooe.at), Beate Böckem (beate.boeckem@zhdk.ch) und/oder Attila Pausitz (attila.pausits@donau-uni.ac.at)
Bei formalen und organisatorischen Fragen wenden Sie sich bitte an:
Alessandro Barberi (alessandro.barberi@zfhe.at)
Wir freuen uns auf Ihre Einreichung!
Paul Reinbacher, Beate Böckem und Attila Pausitz